nächtlich schwanken

Die Familie Bachrach war eine der alteingesessenen jüdischen Familien in Schwalenberg; sie hatte 1700 ein Handelsgeschäft gegründet. Bis in die 1930er Jahre versorgte es Kunden vor allem im ländlichen Umland mit Manufaktur- und Modewaren, Eisenwaren und Landesprodukten. Während des Novemberpogroms von 1938 wurde das Geschäft der Familie Bachrach verwüstet, die Wohnung demoliert und der Besitzer in eine sogenannte Schutzhaft genommen. Zuletzt fielen alle acht in Schwalenberg noch wohnende Juden ihren Mördern zum Opfer. Als Sterbeorte werden Riga, Stutthof, Lodz und Auschwitz genannt.

Die Performance nächtlich schwanken wird begleitet von Texten der Schriftstellerin Jenny Aloni, die 1917 in Paderborn geboren wurde und 1939 nach Palästina auswanderte, wo sie 1993 starb. Ihre Eltern und ihre Schwester, die in Deutschland zurückblieben, wurden deportiert und ermordet.
Alonis Texte, die als Teil der Performance eingespielt werden, beschreiben detailliert die Zerstörung des Warenhauses ihrer Familie während des Novemberpogroms und schaffen so eine Nähe zu jenen Ereignissen, die der Familie Bachrach zur selben Zeit wiederfuhren.

Jens Reulecke reagiert unmittelbar per Bewegung und Klang auf die Worte, die er so weiterträgt und in Schwebe hält, bis der Moment an Bedeutung gewinnt und sich Tiefe öffnet.
Die Aktion beginnt vor der Galerie Haus Bachrach, führt von dort aus zur ehemaligen Synagoge und wieder zurück zum Ausgangspunkt.

camera: meike lothmann, heike kreienmeier / editing: meike lothmann / 24:39_min / performer: jens reulecke / wind chimes: tabea gebauer /
psaltery and voice: jens reulecke / Schwalenberg / 2020

press
Weiße Rosen für die Opfer
LZ Performance Reu 07-11-20

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