Wenn einer in ein Krankenhaus muß, bricht er in ein anderes Leben auf. Er muß sich ausliefern und erfährt sich als ausgeliefert. Alles, dessen er sich eben noch so sicher wähnte, lässt er draußen. Seine Strategien der Lebensbewältigung tragen nicht mehr: die Angst greift nach ihm, der Tod bleibt eventuell nicht nur der Tod der anderen. Die eigene Geschichte scheint ihre Kraft und Sicherheit einzubüßen, gerät buchstäblich in eine Schieflage. Das Kreuz hängt nicht nur an der Wand, sondern wird zum Erlebnis.

So kann mit einem einzigen Krankenhausaufenthalt das Leben eines Menschen völlig durcheinander gebracht werden, kann ein ganz neuer Lebensentwurf entstehen, weil der alte sich nicht mehr als tragfähig erweist. Das Leben wird neu und lebendiger, wenn man sich wieder des Lichtes und des Himmels versichert hat. Wir dürfen erfahren, dass in jedem Aufgebrochenwerden die Chance liegt, wesentlicher leben zu lernen. Die Verunsicherung jedoch bleibt.

Natürlich muß niemand damit allein bleiben, wenn er nicht allein damit bleiben will. Angehörige und Freunde begleiten und trösten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen des Krankenhauses stehen dem Verunsicherten gern bei.

Ein besonderes und zusätzliches Geschenk für die, deren Leben so angefochten ist, und für alle, die ihn begleiten, ist diese Installation von Jens Reulecke in den 7 Räumen unseres St.Hedwig-Krankenhauses. Er macht den Menschen in unserem Haus sinnlich erfahrbar, wovon unser Menschsein bedroht, geprägt und gefördert wird. Und er lädt damit zu einem Weg der inneren Verwandlung ein.

Ich wünschen vielen Mitmenschen die Begegnung mit diesen Räumen und die innere Kraft, mit ihnen und ihren Themen in ein Gespräch einzutreten, das ihr Leben gründlich durcheinanderbringt und damit heilt.

Uwe Wulsche, Pfarrer
Hausgeistlicher im St.Hedwig-Krankenhaus

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