© Jens Reulecke, „soul-light“ aus dem Zyklus „im Inneren einer Stille“, Retusche Farbe auf Digitalprint, 80 x 60 cm, 2019

A u s s t e l l u n g 

Augenblicke
von leben und sterben

13 Texte von Dr. Marlies Reulecke
13 Fotografien aus dem Zyklus „im Inneren einer Stille“ von Jens Reulecke

Die Texte von Marlies Reulecke erzählen uns von Menschen, die todkrank dem Sterben entgegengehen. Menschen, denen sie in der ambulanten Palliativversorgung täglich begegnet. Doch findet sich an dieser Schwelle des Übergangs eine Lebendigkeit, die den statischen Blick auf das Lebensende verändert. – Die Titel der Geschichten unterstreichen das deutlich, so lauten sie: bunt, einig, hilflos, kämpfend, lächelnd, solidarisch, strahlend, tränenreich, überrascht, überwältigt, verbunden.
Diese unerwartete Vitalität inmitten begrenzender Lebensumstände, spiegeln die Fotografien „im Inneren einer Stille“ von Jens Reulecke auf ihre Weise. Ihnen geht es um Erinnerungen, Vergangenes, das eine Wiederbelebung erfährt. Ein Neubeginn wird imaginiert, der Unendlichkeit erzeugt. Ähnlich dem gemeinsamen Ausstellungsprojekt „berührt“ steht der verwundbare Mensch im Mittelpunkt, der, obwohl ihm alles genommen scheint, selbst zum Ort einer Lebensquelle wird, die Nähe, Vertrauen, Gnade, inneren Frieden, Trost und Freude schenkt. – Kostbarkeiten, die das Leben selber hervorbringt. – Und so dreht sich „Augenblicke“ auch eher um das Leben, – seine Schwere und Schönheit

Kooperationspartner
KUNSTVEREIN SCHIEDER-SCHWALENBERG E.V.
Dr. Brigitte Labs-Ehlert

Die Ausstellung Augenblicke steht im Kontext der REIHE  
pictura & poesia
»EINE DICHTUNG IST WIE EIN GEMÄLDE:

es gibt solche, die dich, wenn du näher stehst, mehr fesseln, und solche, wenn du weiter entfernt stehst; dieses liebt das Dunkel, dies will bei Lichte beschaut sein; … dies hat einmal gefallen, doch dieses wird, noch zehnmal betrachtet, gefallen.«
Diese Sätze sind zweitausend Jahre alt. Aufgeschrieben hat sie der römische Dichter Horaz in einem Brief an die Söhne eines römischen Stadtpräfekten; Sätze aus einer poetischen Epistel, die für viele Jahrhunderte das Zentrum der Reflexion über Dichtung bildeten.
Ut pictura poiesis – Eine Dichtung ist wie ein Gemälde, Dichtung ist wie Malerei: Diese fast magische Formel für das poetische Nachdenken über Kunst beschäftigt auch noch die Schriftsteller des 21. Jahrhunderts.
Das Bild als stumme Dichtung – dieser Aspekt ist Ausgangspunkt einer Lesungs- und Ausstellungsreihe des Kunstvereins Schieder-Schwalenberg. Wie reagiert ein bildender Künstler auf einen literarischen Text? Wie verbindet ein sowohl literarisch als auch bildnerisch arbeitender Künstler ‹poème image›? Es gibt viele Künstlerpaare – Schriftsteller und bildendeKünstler, wie z. B. Thomas Kling und Ute Langanky mit ihrem Projekt ‹Spleen›, Marcel Beyer und Jacqueline Merz, Oswald Egger und Katharina Hinsberg, oder auch beides in einer Person wie bei Barbara Köhler und Karin Irshaid.
Dr. Brigitte Labs-Ehlert, 2019

 

KUNSTVEREIN SCHIEDER-SCHWALENBERG E.V.

Galerie Haus Bachrach

Marktstrasse 5  32816 Schieder-Schwalenberg

 

https://www.kunstverein-schieder-schwalenberg.de

http://labs-ehlert.de

exhibition dates: September 27 -November 09 2020