Kunst&Resilienz – Passionszeit
Die Ausstellung „Fluent Sky“ findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst&Resilienz – Passionszeit“ statt
Dabei beziehen sich die verschiedenen Beiträge auf das Thema Leid / Leidenschaft ganz unterschiedlich.
Diese vielfältigen Formen der Auseinandersetzung entsprechen unserer aktuellen Vision für die Kapelle, sich den Themen linear sowie nichtlinear anzunähern.
Die Kapelle als Ort des Experiments, der Recherche und der Utopie fördert dabei den gegenseitigen Austausch der Handlungsfelder Kunst, Gesellschaft und Spiritualität.
Aktuell ist es das zweite Format, das im Rahmen der Reihe “Kunst&Resilienz“ stattfindet.
Verschiedene inhaltliche Vertiefungen schaffen dort Weite, wo Enge droht und beleben so unsere Resilienz Potentiale.
Der Begriff „Passion“ ist mit einer Dynamik verbunden, die in besonderer Weise nachhaltiger Interaktion und Transformation Raum schenkt.

Fluent Sky von Jens Reulecke
Triptychon Fluent Sky (I –III), 2024, Acryl auf Digital Print, 190 x 144 cm
Schale, 1999, Holz (zweiteilig), 94,5 x 92 x 10,5 cm

Die Ausstellung besteht aus drei großformatigen Fotografien mit dem Titel „Fluent Sky“, – der fließende Himmel – und einer Holzskulptur.
Die teilbemalten Fotografien hängen an den Wänden der Kapelle, während die zweiteilige Holzschale sich auf dem Boden der Apsis befindet.
Die Fotomotive zeigen Ausschnitte der Glasfenster der AEG-Turbinenfabrik in der Moabiter Berlichingenstraße. Sie sind zum Teil von der Sonne beschienen.
In der Abfolge “wandert“ der sonnenerhellte Teil der Fotografien sukzessive von links nach rechts.
Das warm-goldene Licht wird zusätzlich durch die Teil Bemalung mit goldener Acrylfarbe verstärkt, die deckend und mit dünnem Pinsel aufgetragen ist.
Die lila Acryltinte hingegen findet sich weiträumig auf den Fotos verteilt und wirkt wie ein transparenter Schleier, der mit dem warmen Licht im Austausch steht.
Diese Formationen erinnern an einen Körper, Umhang, Mantel oder die Bewegungsspur einer Person. – Wer oder was durchquert hier die Weite des Raumes?
Auf dem linken Foto scheint die Gestalt erst noch ihre Form herauszubilden, während sie auf den übrigen Fotos bereits deutlicher zu erkennen ist.
Unter Kraftaufwand bäumt sich etwas auf, scheint sich zu wehren, ringt mit etwas. – Um dem eigenen Schicksaal zu entkommen?
Die Arbeit ganz rechts lässt eine schmale Figur erahnen. Sie bewegt sich gleichzeitig auf den rechten Bildrand zu als auch nach oben.
Ein Teil von ihr ragt bereits über das Bild hinaus. – Ist dieses Wesen gerade im Begriff aufzusteigen?

Passion als Freisetzung, Entfaltung, Auflösung und Erneuerung?

Die Holzschale hingegen setzt der Flüchtigkeit der Fotografien etwas Bodenständiges entgegen. Ihre scheinbare Unbeweglichkeit besitzt jedoch eine andere Dynamik,
die aus ihrer Eigenschaft hervorgeht, etwas aufzunehmen, sowie uns etwas zu überlassen.
Assoziation in Richtung Opferstätte, Altar sind möglich, wo Momente des Übergangs, des Loslassens und Empfangens, eine zentrale Rolle spielen.
Die Gestalten, die die Fotos passieren, befinden sich in einem ähnlich „transformativen Prozess“, der sein Echo innerhalb der Ausstellung sowie im Veranstaltungsprogramm
ganz unterschiedlich entfaltet.

Jens Reulecke